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Überarbeitet am 2. Februar 2011

"Mein Führer"

Das Problem: Der Film hat mich anfangs ratlos gemacht: Was mit ihm anfangen? Ich denke dass er die Idee hat, die Familie Grünbaum als Menschen und die Nazis als Witzfiguren auftreten zu lassen. Darauf muss man sich bei diesem Film einlassen können.
Eine Komödie, die Täter und Opfer auf eine Ebene stellen würde, so wie "Alles auf Zucker" jüdische und nicht-jüdische Menschen (z.B. Jackie Zucker und sein Freund, der das Billard-Turnier organisiert), ist bei der Holocaust-Thematik nicht angebracht.

Zum Inhalt: Eine gigantische Volksverarschung soll inszeniert werden: zum Neujahrstag 1945 soll Hitler im Lustgarten vor Millionen begeisterten "Volksgenossen" eine Durchhalterede halten, die das ganze Volk mitreißen soll. Vorher fährt er in einem offenen Wagen durch ein unzerstörtes Berlin und lässt sich wie in alten Zeiten vom Straßenrand her bejubeln. Ruinen lässt Speer durch Kulissen verdecken, und geschickt positionierte Kameras erwecken den Eindruck von zahllos mobilisierten, gut gelaunten Menschenmassen.
Aber der "Führer" hat den Glauben an sich selbst verloren. Und daher braucht es einen bewährten Schauspiellehrer, der wieder den alten Zauber weckt. Und das ist Prof. Grünbaum, der von Goebbels aus Sachsenhausen in die Reichskanzlei geholt wird, um Hitler zu coachen. Grünbaum hält nach einer ersten Begegnung Hitler psychisch für ausgebrannt und erklärt sich für unfähig, neue Lebensenergien in dem Diktator zu wecken. Goebbels aber ist von Grünbaums Talent überzeugt, und nachdem er seine Familie nachholen kann, willigt Grünbaum in die Mitarbeit ein. Zwischen Grünbaum und Hitler wird sich im Laufe der Tage eine Hass-Liebe entwickeln.

In der Reichskanzlei ergibt sich eine aberwitzige Situation: im Zentralnervensystem der "Endlösung" lebt eine jüdische Familie. Während Grünbaum arbeitet, wird seinem jüngsten Sohn von einem Wachmann der Stechschritt beigebracht.

Grünbaums Arbeitsansatz ist es, seinen Schauspielschülern den Zugang zu ihrem Gefühlsleben zu öffnen. Das gelingt auch bei Hitler, und es zeigt sich in den vielen Gesprächen das Drama eines misshandelten Kindes. Derweil verfolgen Goebbels, Himmler und Speer das Coaching heimlich im Nebenzimmer. Intrigen werden ersonnen: der abgewrackte Hitler soll vor laufender Kamera getötet und das dem jüdischen Schauspiellehrer in die Schuhe geschoben werden. Es ist also nicht allein Grünbaum, der solche Pläne hat …

Uwe Heiland
Berlin, im Januar 2007

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