Zuletzt bearbeitet am 21. Juni 2015
Hegel war Lehrer an einem Nürnberger Gymnasium. Aus dieser Zeit sind auch die sog. Propädeutischen Schriften überliefert.
Textgrundlage für das folgende war die von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel editierte Suhrkamp-Ausgabe.
Die Logik teilte er so ein:
Das Allgemeine = das, was den Begriff bestimmt;
der Begriff = das, was das Allgemeine bestimmt.
Im Allgemeinen behält die Außenwelt ihre Eigenständigkeit, im Begriff bewahrt das Subjekt die Freiheit des Bestimmens.
Das Allgemeine und der Begriff werden gedanklich auf eine Stufe gestellt, behalten aber eine je eignen Nuance, die hier der Außenwelt und dem Tun des Subjekts entspricht.
Die Ideenlehre unterteilt er weiter:
Die folgende Tabelle gibt einen dialektischen Argumentationsstrang wieder, den ich bei Hegel oft gefunden habe:
das Endliche | das schlecht Unendliche |
---|---|
= ein Quantum, das bestimmt ist. | = die leere Negation des Endlichen. |
Ein erweitertes oder vermindertes Quantum ist wieder endlich. | Sie ist gegen das Endliche bestimmt. |
Der Gedankengang kann ohne Ende = ins Schlecht-Unendliche weiter geführt werden. | Ein Bestimmtes ist endlich. |
Ein Begriff wird definiert, und es werden denkbare Konsequenzen aus dieser Definition entwickelt. Diese führen zum jeweiligen Gegenteil.
Die Wahrheit des Unendlichen ist die freie Selbstbestimmung. Sie
Hier wird m.E. Hegels idealistischer Ansatz besonders deutlich: Bewusstseinsprozesse werden zu weltdeutenden Mustern. Also:
Idealismus: Weltdeutung = Bewusstseinsprozesse
Das wahre Unendliche ist das in sich selbst endlich Unendliche = das in sich selbst unendlich Endliche.
Wir finden hier zwei Nomen, denen Adjektive voranstehen. Die Nomen bilden Gegensatzpaare, die Adjektive auch. Das Adjektiv macht das Nomen zum Gegenteil seiner selbst.
Ich sehe zwei Deutungen für Hegels Argumentation:
Für Hochschulabsolventen mit geringem Vermögen bot der Beruf des Hauslehrers neben der Existenzsicherung auch Zeit für die eigenen Studien und für die Knüpfung von Kontakten. Ab Oktober 1793 unterrichte er so in Bern und ab Januar 1797 in Frankfurt am Main. Als sein Vater im Januar 1799 starb, ermöglichte ihm die Erbschaft, diese Arbeit zu beenden.
Am Gymmasium in Nürnberg unterrichtete Hegel Philosophie gemäß dem damaligen Rahmenplan (das „Allgemeine Normativ” Niethammers). An der Schule herrschte Personalmangel, die Räume waren heruntergekommen, Toiletten nicht vorhanden. Die Besoldung der Lehrer war gering und unregelmäßig.
In den Unterklassen bildeten Recht, Pflicht und Religion den Schwerpunkt. Die Religion stand dabei hintenan.
In den Mittelklassen lehrte er im jährlichen Wechsel Logik und Psychologie. In der Logik für diese Jahrgangsstufe findet man schon die spätere Struktur des Hegelschen Systems, in der Psychologie die Lehre vom subjektiven Geist..
In den Oberklassen lehrte er seine Enzyklopädie. Diese wies eine Dreiteilung in Logik, Natur und Geist auf.
Die Zeit, in der Hegel in Nürnberg wirkte, war für Bayern eine wichtige Periode. Durch die Gebietsgewinne, die in jener Zeit erzielt worden waren, entwickelte sich das Land zu seiner heutigen Größe. Dem diente sicher auch das zeitweilige Bündnis mit Napoleon, nachdem dieser das Land besetzt hatte. Der Politiker Montgelas führte ein rücksichtsloses absolutistisches Regiment. Die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, ebenso die Steuerfreiheit des Adels, die Binnenzollschranken fielen.
Uwe Heiland,
Berlin, im Juni 2015